Die EU-Staats- und Regierungschefs haben nach dem Scheitern der Referenden in Frankreich und den Niederlanden über den EU-Verfassungsvertrag eine Zeit des Nachdenkens verordnet. Ungeachtet des anschließenden Erfolgs in Luxemburg möchten uns viele Kommentatoren glauben machen, dass der aktuelle Verfassungstext zu toten Buchstaben geworden ist. Wie dem auch sei, zwei Punkte sind klar. Erstens ist es den politisch Verantwortlichen nicht gelungen, das Vertrauen der BürgerInnen zu gewinnen und zu fördern. Der Europäische Rat und die EU-Institutionen haben zahlreiche politische Maßnahmen vorangetrieben, ohne die BürgerInnen angemessen zu informieren. Zweitens sind auch wir als BürgerInnen den historischen und einzigartigen Errungenschaften, die die EU in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts erzielt hat, nicht gerecht geworden. Es ist uns nicht gelungen, in der Öffentlichkeit einen Sinn für ihre politischen, wirtschaftlichen und sozialen Ziele zu entwickeln, gleichwohl alle unsere Länder die Früchte der EU-Mitgliedschaft geerntet haben, und sie der jüngeren Generation zu vermitteln.