Gipfeltreffen 2007
Dies ist die Schlussfolgerung, zu der die Präsidenten der drei EU-Institutionen nach dem heutigen Treffen mit hohen Würdenträgern der drei monotheistischen Religionen gekommen sind. Die Kirchen- und Religionsvertreter haben zu Fragen der Migration, der Entwicklungshilfe und der Bioethik im Hinblick auf ihre Auswirkungen für die Menschenwürde gesprochen.
Das Treffen führte zu konkreten Vorhaben seitens der europäischen Institutionen.
20 hohe Würdenträger der Kirchen und Religionsgemeinschaften Europas haben heute die deutsche Kanzlerin und Ratspräsidentin, Frau Angela Merkel, sowie den Präsidenten des Europäischen Parlaments, Hans-Gert Pöttering, und den Präsidenten der Europäischen Kommission, José Manuel Barroso, getroffen. Der Präsident der Kommission hatte die Initiative zu diesem Treffen zum dritten Mal ergriffen.
Die fast 3-stündige Begegnung war zum ersten Mal einem konkreten Thema gewidmet: der Menschenwürde.
Die Katholiken waren bei dieser Begegnung vertreten durch Kardinal Kasper, Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, durch Kardinal Lehmann, Vorsitzender der deutschen Bischofskonferenz sowie durch Bischof Adrianus Van Luyn, Präsident der COMECE.
Bischof Van Luyn hob während seines Beitrags hervor: „Die Tatsache, dass die Menschenwürde allen Menschen gilt, unabhängig davon wo sie leben, hat Konsequenzen für die Europäische Union und die von ihr entwickelten Politiken. Dies impliziert unsere Verantwortung dafür, eine menschenwürdige Behandlung von Migranten sicherzustellen." Er erinnerte daran, dass die EU sich für die Erreichung der Milleniums-Entwicklungsziele einsetzt und bat die Kommission, in diesem Jahr eine Halbzeit-Evaluierung der Fortschritte des EU-Engagements vorzunehmen. Der Präsident der COMECE hat bei der Gelegenheit auch den Respekt der Menschenwürde im Zusammenhang mit der wissenschaftlichen Forschung hervorgehoben, indem er sagte: „Vor allem im Bereich der Lebenswissenschaften und Biotechnologien bedarf das Konzept der Menschenwürde ständiger Verfeinerung und Präzisierung; EU-Maßnahmen müssen am Vorsichtsprinzip ausgerichtet sein."
Der Präsident des Europäischen Parlaments, Hans-Gert Pöttering, brachte die Begegnung auf den Punkt indem er feststellte, dass die Herausforderung für die europäischen Entscheidungsträger darin liege, „die Menschenwürde in konkreten Politiken umzusetzen".
Präsident Barroso griff den Vorschlag Van Luyns auf, die Fortschritte der EU für die Erreichung der Milleniumsziele in einem Halbzeitbericht zu untersuchen; er kündigte auch an, dass die Kommission in Kürze einen Richtlinienvorschlag über die Rechte von Migranten in Europa vorlegen werde.
Kanzlerin Angela Merkel stellte ihrerseits fest, dass die europäischen Institutionen Herausforderungen gegenüberstünden, die sie alleine nicht lösen können, und dass die Werte, insbesondere die Menschenwürde, aus diesem Grund ihren Platz im Herzen unserer Gesellschaft wieder einnehmen müssen. Sie kündigte des Weiteren an, dass die Begegnung zwischen EU-Institutionen und Kirchen- und Religionsvertretern voraussichtlich im nächsten Jahr unter slowenischer Präsidentschaft fortgesetzt werde.


