"Armut ist eine Herausforderung, der sich die EU und die Kirchen gemeinsam stellen müssen"
Diesen Aufruf richtete Bischof Adrianus van Luyn, der Präsident der COMECE, an die führenden Politiker der EU anlässlich des jährlichen Treffens der Vorsitzenden der EU-Institutionen mit den Vertretern der Religionsgemeinschaften, das am 19. Juli zum sechsten Mal in der Europäischen Kommission stattfand.
Zu diesem Treffen hatte José Manuel Barroso, der Präsident der Europäischen Kommission, eingeladen, gemeinsam mit dem Vorsitzenden des Europäischen Rates Herman Van Rompuy und mit Jerzy Buzek, dem Präsidenten des Europäischen Parlaments. Dieses Treffen widmete sich der Frage des Kampfes gegen Armut und soziale Ausgrenzung. Etwa zwanzig hochrangige Vertreter des Judentums, der christlichen Kirchen und des Islam sowie Vertreter der Sikhs und der Hindus aus insgesamt 14 Mitgliedsstaaten diskutierten diese Fragen im Hinblick auf die europäische Politik.
Bischof van Luyn warnte vor einer Bekämpfung von Armut, die sich auf rein technische oder administrative Massnahmen beschränkt: «Es droht zu kurz zu greifen: sie macht die Armen zu «Objekten der Fürsorge». Dem gegenüber gilt es, ihnen zu helfen «Subjekte» des gemeinsamen Kampfes der Gesellschaft gegen Armut und Ausgrenzung zu werden.»
Mit Blick auf die Anstrengungen zur Bewältigung der gegenwärtigen wirtschaftlichen und finanziellen Krise fügte er hinzu: «Weder dürfen die Ärmsten und Schwächsten unserer Gesellschaft zu erneuten Opfern dieser Krise werden, noch dürfen wir die Lasten der Sanierung unseres Fehlverhaltens einseitig den kommenden Generationen aufbürden».
Diese Verantwortung der EU müsse sowohl für die ärmsten Entwicklungsländer gelten, insbesonders in Afrika, als auch gegenüber Migranten: «Dem gemeinsamen Einsatz zur Erreichung der Milleniums Entwicklungszielen im Bereich Armut dürfen wir uns nicht entziehen».
Kardinal Erdö, der Vorsitzende der CCEE, unterstrich, dass Armut nicht auf ein rein materielles Verständnis reduziert werden könne, sondern in all seinen Dimensionen behandelt werden müsse. Deshalb stellt es die anthropologische Frage über die genauen Bedürfnisse des menschlichen Wesens an die Verantwortlichen in Politik und Kirche.
Um den sich ausbreitenden Individualismus zu überwinden, «braucht es ein konkretes Bemühen um Solidarität und Liebe, das in der Familie beginnt», so Erzbischof Zvolensky von Pressburg. Er zitierte Papst Johannes Paul II.: « Es ist dringend notwendig, nicht nur die Familienpolitik, sondern auch die Sozialpolitik zu fördern, deren Hauptziel die Familie selbst sein muß». (Centesimus Annus, 49).
Dr. Flaminia Giovanelli vom Päpstlichen Rat Justitia et Pax war das vierte Mitglied der katholischen Delegation. Sie erinnerte daran, dass die katholische Kirche öfters wirtschaftliche Vorhaben unterstützt und fördert, die zwischen profitorientierten und nicht profitorientierten Unternehmen angesiedelt sind: « eine neue umfangreiche zusammengesetzte Wirklichkeit, die das Private und das Öffentliche einbezieht und den Gewinn nicht ausschließt, ihn aber als Mittel für die Verwirklichung humaner und sozialer Ziele betrachtet »(Caritas in veritate 46).

Die Präsidenten Barroso, Van Rompuy und Buzek hoben die Beiträge der Kirchen im Kampf gegen die Armut hervor, da sie wichtige Anbieter sozialer Dienste in den Mitgliedsstaaten der EU seien. Dieses Gipfeltreffen war das erste, das unter dem neuen Lissabonvertrag abgehalten wurde. Der Vertrag sieht im Artikel 17 einen «offenen, transparenten und regelmäßigen Dialog» der EU mit den Kirchen und Religionsgemeinschaften vor. Alle drei Präsidenten bekräftigten ihre Absicht, in den kommenden Monaten die Implementierung des Dialogs auf Arbeitsebene zu verstärken.
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