Frieden im Heiligen Land
Jerusalem, Stadt des Friedens und Heimat von zwei Völkern und drei Religionen, hat über die Jahrhunderte mehr Gewalt erlebt als die meisten anderen Städte der Welt. Der gegenwärtige Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern wütet seit nunmehr zweieinhalb Jahren, doch wurden die Samen dafür vor Jahrzehnten gesät. Was können wir in dieser scheinbar ausweglosen Situation tun? Diese Frage stellten sich Bischöfe aus Europa und Nordafrika im Januar bei einem Treffen in Jerusalem. Vertreter aus dem universitären Bereich Israels und Palästinas sowie der Ortskirchen analysierten in Vorträgen die gegenwärtige Situation. Es gab ein Treffen der Bischöfe mit dem israelischen Präsidenten Moshe Katsav und eine Begegnung mit Palästinenserpräsident Yasser Arafat in Ramallah. Einer der Teilnehmer brachte es auf den Punkt: es gibt Hoffnung auf Frieden - was Kraft verleiht, selbst an den schwärzesten Tagen dafür einzutreten - doch sind wir nicht so optimistisch, ihn in der nahen Zukunft erreichen zu können. Israelische und palästinensische Christen bilden eine sehr kleine Gemeinschaft und gehören unterschiedlichen christlichen Kirchen an; oft fühlen sie sich den Christen in der Welt vergessen. Die Bischöfe versicherten den Christen im Heiligen Land Liebe und Solidarität. Es gibt mehrere Möglichkeiten, diese Liebe und Solidarität in die Tat umzusetzen. Pilgerreisen sind, neben einer Hilfe für die spirituelle Umkehr der Pilger, auch ein Zeichen der Hoffnung für die Kirche des Heiligen Landes. Sie sind eine bedeutende materielle Unterstützung für die Menschen, deren wichtigste Einkommensquellen durch die Gewalt versiegt sind. Die Grabeskirche in Jerusalem ist so gut wie verlassen, viele der Geschäfte in der Altstadt sind geschlossen. In Bethlehem ist die Lage noch schlimmer. Gleichwohl ist es ein guter Zeitpunkt für eine Pilgerreise ins Heilige Land. Das Reisen ist natürlich erschwert durch Ausgehsperren und unzugängliche Städte im Westjordanland, aber mit der Hilfe der Christen vor Ort können zahlreiche Hindernisse überwunden werden. Bedingungen für den Frieden Caritas Jerusalem und andere Organisationen brauchen Gelder für humanitäre Hilfe, der lateinische Patriarchat von Jerusalem und andere Kirchen für ihre Schulen. Ohne Ausbildung und Arbeitsmöglichkeiten gehen viele junge Menschen in der Hoffnung auf ein besseres Leben ins Ausland. Für die kleine christliche Gemeinschaft ist dies besonders besorgniserregend. Trotzdem setzen sich karitative Einrichtungen wie Caritas und die kirchlichen Schulen für Menschen aller Glaubensrichtungen ein. Sie zu unterstützen ist daher auch eine Investition in die Versöhnung. Die beste Lösung für alle Menschen im Heiligen Land wäre ein Ende der Gewalt. Dies mag idealistisch klingen, doch ist man sich bemerkenswert einig darüber, welches die Grundbedingungen für den Frieden sind: Die Israelis wollen Sicherheit; die Palästinenser die Beendigung der Besetzung des Gazastreifens und des Westjordanlands; Israel soll den Palästinensern erlauben, einen lebensfähigen Staat zu aufzubauen. Es würde zweifelsohne weiterhin extremistische Israelis geben, die ihre sich weigern würden, ihre Siedlungen auf dem Land aufzugeben, und extremistische Palästinenser, die Terroranschläge gegen Zivilisten verüben. Die große Mehrheit der Menschen auf beiden Seiten unterstützt aber eine solche Lösung - ihre politischen Führer müssen allerdings den Mut aufbringen, diese durchzusetzen. Die EU ist der größte Geber von Hilfsleistungen an die Palästinenser und sie hat ein Handelsabkommen mit Israel. Sie ist Mitglied im internationalen "Nahostquartett" (zusammen mit der UN, den USA und Russland), welches federführend für die Herbeiführung eines Friedensabkommens ist. Die Meinungsunterschiede zum Thema Krieg gegen den Irak sollten die EU nicht vergessen lassen, dass sie die Gelegenheit und die Verantwortung hat, einen Beitrag zum Frieden im Nahen Osten zu leisten.


