40 Jahre deutsch-französische Freundschaft
In einer gemeinsamen Erklärung haben der Präsident der französischen Bischofskonferenz, Erzbischof Jean-Pierre Ricard aus Bordeaux, und der Präsident der deutschen Bischofskonferenz, Karl Kardinal Lehmann aus Mainz, den 40. Jahrestag des sogenannten Elysée-Vertrags über die deutsch-französische Zusammenarbeit begrüßt. Nach den Kriegen von 1870, 1914 et 1940 stellte die Unterzeichnung des Elysée-Vertrags zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Französischen Republik am 22. Januar 1963 den Eintritt in eine Phase der echten Zusammenarbeit dar. Deren Ziel war es, "in der Anerkennung, dass die Verstärkung der Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern einen unentbehrlichen Meilenstein auf dem Weg zu einem vereinten Europa darstellt", die Grundlagen für einen dauerhaften Frieden in Europa zu schaffen. Schlüsselelemente dieser neuen Zusammenarbeit waren die Außen- und Verteidigungspolitik sowie Bildung und Jugend. Vereinbart wurden regelmäßige Zusammenkünfte der Staats- und Regierungschefs, Minister und hoher Beamter, durch die ein Kooperationsprogramm festgelegt werden sollte. Allmählich wurden neue Institutionen geschaffen, wie das deutsch-französische Jugendwerk, das deutsch-französische Hochschulkolleg, die drei deutsch-französischen Räte für Sicherheit und Verteidigung, Wirtschaft und Finanzen sowie Umwelt, schließlich auch der europäische Kulturkanal Arte. Im Rahmen des sogenannten Blaesheim-Prozesses werden darüber hinaus Themen von europäischem Interesse, wie die Erweiterung und die Agrarpolitik, koordiniert. Ein europäisches Projekt Die deutsch-französische Freundschaft versteht sich als unabdingbarer Faktor und Symbol für die Einheit Europas. Auf sie geht die Schaffung der Montanunion sowie der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft zurück. Präsident Chirac unterstrich: "wenn der deutsch-französische Motor funktioniert, schreitet Europa voran, doch Europa stagniert, wenn die Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich auf der Stelle treten". Die deutsch-französische Schicksalsgemeinschaft müsse eine Antriebskraft im Dienste Europas sein, auch im Hinblick auf die zukünftige Verfassung für die Europäische Union. In diesem Geist haben Deutschland und Frankreich dem Konvent gemeinsame Beiträge zu verschiedenen Politikbereichen vorgelegt. Die Erklärung zum 40. Jahrestag betont die Antriebsrolle beider Länder im Europa von morgen. Erzbischof Ricard und Kardinal Lehmann haben in ihrer gemeinsamen Erklärung ihrem Wunsch Ausdruck verliehen, dass der Prozess des gegenseitigen Verständnisses fortgesetzt wird, und dass diese versöhnte Brüderlichkeit sowohl auf der institutionellen, als auch auf der zwischenmenschlichen Ebene gelebt wird. Die Kirche fördert die Intensivierung der Kontakte zwischen Diözesen, Gemeinden, Schulen sowie deutschen und französischen Verbänden, aber auch die Vertiefung des theologischen Dialogs, damit Deutschland und Frankreich einen gemeinsamen Beitrag zur Europäischen Wertegemeinschaft leisten, mit dem Ziel, zum "Urheber des Friedens" zu werden. Doch konnte diese "Antriebsrolle" gerade im Bereich des internationalen Friedens nicht gespielt werden. Die Irakkrise hat ihre Schwächen aufgezeigt: eine Woche, nachdem Chirac und Schröder ihren Widerstand gegen den Krieg bekräftigt hatten, brachten acht europäische Länder ihre Solidarität mit den Vereinigten Staaten zum Ausdruck. Eine derart deutliche Spaltung schwächt die Vorstellung, dass es Deutschland und Frankreich auch heute noch gelingen kann, das europäische Aufbauwerk in eine gemeinsame Richtung zu lenken. Das deutsch-französische Führungsgespann muss akzeptieren, dass seine Position innerhalb der Europäische Union je nach den Interessen, die auf dem Spiel stehen, in Frage gestellt wird, insbesondere, wenn es um außenpolitische Belange geht. Dies könnte im Europa der 25 zum Normalfall werden.


