Kolpingwerk: Engagement für Europa
Im Jahre 1849, fast ein Jahrhundert vor der Gründung der CAJ durch Pfarrer Joseph Cardijn, sammelte ein anderer Priester - Adolph Kolping - in Köln junge Arbeiter um sich, um ihnen dabei behilflich zu sein, die Herausforderungen der industriellen Revolution zu bewältigen. Von Anfang an war diese neue Bewegung durch eine christliche Vision des Menschen gekennzeichnet. Letztere wurde schnell zu einem ausschlaggebenden Faktor nicht nur im Privatleben der jungen Menschen, sondern auch in ihren Berufs- und Freizeitaktivitäten und beeinflusste auch ihre gesellschaftlichen Entscheidungen. Anderthalb Jahrhunderte nach ihrer Gründung hat diese Bewegung weltweite Dimensionen angenommen und zählt mittlerweile 450.000 Mitglieder, die sich auf 5700 lokale Gruppen in über 56 Ländern der Welt verteilen. In Europa wurde sich die Bewegung rasch darüber klar, wie sehr ihr Einsatz für die Förderung des Menschen im Einklang mit den grundlegenden Optionen für den Aufbau Europas übereinstimmte. Es nimmt also nicht wunder, wenn sie heute intensive Beziehungen mit den Instanzen der EU, aber auch mit dem Europarat unterhält, bei dem sie seit 1974 einen offiziellen "Beraterstatus" als NGO hat. Der hartnäckigste Verfechter dieser Zusammenarbeit ist nach wie vor Anton Salesny. Vom 30. März bis 04. April fand in Straßburg das 25. Europäische Seminar des Internationalen Kolpingwerks statt, an dem Vertreter und Experten des EU-Parlaments sowie des Europarats teilnahmen. Thema des diesjährigen Treffens war der Beitrag dieser beiden Instanzen zur europäischen Integration. Im Rahmen von offiziellen Feierlichkeiten unter der Schirmherrschaft des Generalsekretärs des Europarats, Walter Schwimmer, des Präsidenten der parlamentarischen Versammlung, Peter Schieder, sowie des Präsidenten des EU-Parlaments, Pat Cox, wurde das Verdienst der Bewegung ausdrücklich gewürdigt. Mehr als 1500 ihrer Mitglieder aus beinahe allen Ländern des Kontinents sind dank der Treffen in Straßburg zu "Multiplikatoren" des europäischen Gedankens geworden. Sie zeugen davon, dass Europa auch von unten aufgebaut wird, dank der Begeisterung, der kreativen Phantasie und des Mutes der Jugend. Auf diese Weise gelang kurz nach dem Krieg die Wiederversöhnung mit Deutschland. Aus diese Weise wird das europäischen Aufbauwerk die Kraft finden, seinen Weg inmitten der Stürme fortzusetzen.


