Saturday 25. May 2013
Nr. 52 (9/2003)

Content:

Papst Johannes Paul II. zur Lage der Kirche in Europa

Am 28. Juni 2003 wurde das von Papst Johannes Paul II. veröffentlichte Apostolische Schreiben ?Ecclesia in Europa? vorgestellt.
Grundlage des Apostolischen Schreibens ?Ecclesia in Europa?, das sich mit der Situation der Kirche in Europa am Anfang des 21. Jahrhunderts auseinandersetzt, sind die Beratungen der Bischöfe während der 2. Sonderversammlung der Bischofssynode für Europa, die vom 1.-23. Oktober 1999 stattgefunden hatte. Das Schreiben ist an alle Christen in Europa gerichtet, Bischöfe, Priester und Laien. Es ruft alle Gläubigen auf, von der Quelle der Hoffnung, die in ihnen lebt ? Jesus Christus ? gegenüber jedermann Zeugnis abzulegen. Das Dokument beginnt mit einer Analyse der gegenwärtigen Situation Europas, das sich mit der Erweiterung der Europäischen Union an einem entscheidenden Punkt seiner Geschichte befindet. Es stellt dabei Widersprüche in der gesellschaftlichen Lage fest: neben inspirierenden Zeugnissen christlichen Glaubens stellt das Dokument Gottvergessenheit und religiöse Indifferenz fest, der gewonnenen individuellen Freiheit und dem Wohlstand stehen Zukunftsangst, ?Zersplitterung des Daseins? (Nr. 8,2) und eine schwindende Solidarität gegenüber. Europa ist, so das Schreiben, nicht so sehr ein geographischer Raum, sondern eine kulturelle und historische Größe, der ?das Christentum [?] in der Tat [?] dadurch Gestalt gegeben [hat], dass es ihm einige grundlegende Werte einprägte? (Nr. 108,2). Im weiteren Verlauf nennt das Dokument als Beispiel dafür die ?Bejahung der transzendenten Würde der menschlichen Person, des Wertes der Vernunft, der Demokratie, des Rechtsstaates und der Unterscheidung zwischen Politik und Religion? (Nr. 109,2), aus denen auch die Moderne schöpft, die der Welt das ?demokratische Ideal und die Menschenrechte? (Nr. 108,2) gegeben hat. Ein wesentliches Kennzeichen Europas, das auch in der Erweiterung der Europäischen Union seinen Ausdruck findet, ist seine prinzipielle Offenheit: das Gelingen der Versöhnung und der friedlichen Integration Europas, weitgehend verwirklicht in der Europäischen Union, verlangt von Europa, sich verstärkt seiner Verantwortung für die Welt bewusst zu werden und sich, in Solidarität mit den Ärmsten, für Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit einzusetzen. Konkret wird das Dokument angesichts der Herausforderungen durch die Globalisierung: der Kampf für eine gerechte Weltwirtschaftsordnung, der Beitrag zu sozialer, wirtschaftlicher und politischer Entwicklung in den benachteiligten Gebieten der Erde, die Bereitschaft zur Aufnahme von Flüchtlingen und der Wille zur Integration von Migranten. Europäische Integration Im Teil über die Europäischen Institutionen würdigt das Dokument die bisherigen Anstrengungen des Europäischen Integrationsprozesses. Es erinnert daran, dass ?eine Präsenz entsprechend ausgebildeter und kompetenter Christen in den verschiedenen europäischen Instanzen und Institutionen notwendig [ist], um unter Respektierung der korrekten demokratischen Dynamismen und durch den Vergleich der Vorschläge ein europäisches Zusammenleben zu umreißen, das jeden Mann und jede Frau immer mehr respektiert und somit dem Gemeinwohl entspricht? (Nr. 117,2). Besondere Erwähnung finden die europäischen kirchlichen Zusammenschlüsse: der Rat der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) und die Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaften (COMECE), die ?den Konsolidierungs- und Erweiterungsprozess der Europäischen Union verfolgt, den Informationsaustausch fördert und die pastoralen Initiativen der beteiligten europäischen Kirchen koordiniert? (Nr. 118,2). In einem Schlussappell des Schreibens ruft der Heilige Vater Europa zu: ?Sei du selbst! Entdecke wieder deine Ursprünge! Belebe deine Wurzeln!? (Nr. 120,3). Die Christen fordert er auf, an diesem Integrations- und Versöhnungsprozess durch einen ?theologischen, spirituellen, ethischen und sozialen Dialog mitzuwirken? (Nr. 119,1). In demselbem Sinn veröffentlichte die COMECE vor einigen Wochen mit dem Text ?Das Herz weit machen? eine Einladung zu einer Würdigung der europäischen Einigung aus christlicher Sicht.

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