Die Krebsvorsorge optimieren
Zwanzig Prozent der jährlichen Todesfälle in Europa sind auf Krebs zurückzuführen; das entspricht etwa einer Millionen Menschen. Die Auswirkungen der Krankheit auf die Gesellschaft sind erheblich, nicht nur im Hinblick auf Behandlungskosten und Patientenversorgung, sondern auch mit Blick auf die seelische Belastung, die diese Krankheit für die Betroffenen und ihr Umfeld bedeutet. Neben der menschlichen Tragödie bringt sie auch eine stete Verringerung des gesunden Bevölkerungsanteils mit sich, der das produktive und kognitive Rückgrat Europas darstellt. Bei Krebs hängen die Heilungschancen in großem Maße von einer frühzeitigen Diagnose ab. Das unerbittliche Fortschreiten der Krankheit erfordert aggressive und entstellende Behandlungen mit hohen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Belastungen. Die einzige uns heute zur Verfügung stehende Maßnahme zur Vorbeugung dieser Erkrankung ist die sekundäre Prävention mittels klinischer Untersuchungen. Die Primärprävention unterliegt sehr viel weniger kontrollierbaren Variablen wie Umwelteinflüssen, Ernährungsgewohnheiten und Lebensstilfaktoren. Eine frühzeitige Erkennung in einem Stadium, in dem der Krebs zum Teil noch von eigenen Abwehrmechanismen kontrolliert wird, ermöglicht schnelles medizinisches Handeln mit weniger gravierenden chirurgischen Eingriffen und weniger belastenden Chemo- und Strahlentherapien. Eine derart wichtige Prävention darf nicht von den wirtschaftlichen und kulturellen Möglichkeiten eines Landes abhängen. Sie sollte auf europäischer Ebene koordiniert werden, um den Gesundheitsschutz der Bevölkerung und das Recht auf gleiche Behandlungschancen zu gewährleisten. In diesem Sinne ruft die EU-Kommission die Mitgliedstaaten auf, wirksame Programme zur Vorsorge bei besonders aggressiven Krebsarten wie dem Brust-, Darm- oder Gebärmutterhalskrebs einzuführen. Sie hat deshalb Leitlinien zur Krebsfrüherkennung sowie Qualitätsnormen für die Vorsorge herausgegeben. Ein Kampf an mehreren Fronten Das Europäische Parlament unterstützt den Vorschlag der Kommission vorbehaltlos, fordert dabei jedoch eine Absenkung des empfohlenen Alters für Vorsorgeuntersuchungen in Form von Mammographien zur Erkennung von Brustkrebs von 50 auf 40 Jahre, das Kombinieren des Papanicolou-Tests mit der Untersuchung auf humanes Papilloma Virus zur Erkennung von Gebärmutterhalskrebs (12800 Frauen sterben jährlich in Europa durch dieses Virus), eine verbesserte Stuhluntersuchung auf okkultes Blut zur Feststellung von kolorektalem Krebs, von dem sowohl Frauen als auch Männer betroffen sind, sowie die Einführung einer Vorsorgeuntersuchung für Prostatakrebs mittels Bestimmung des prostataspezifischen Antigens (PSA). Auch hier ist Eile angesagt, denn es handelt sich beim Prostatakrebs um die häufigste Krebserkrankung bei Männern und die zweithäufigste Krebstodesursache nach Lungenkrebs. Das Parlament besteht auf der Notwendigkeit, in allen Mitgliedstaaten ein Krebsregister anzulegen, um mehr Informationen über die Entwicklung der Krankheit und den Einfluss von Vorsorgeuntersuchungen zu erhalten. Menschliche und finanzielle Ressourcen seien zu mobilisieren, um eine qualitativ hochwertige Kontrolle zu gewährleisten. Im Rahmen mobiler Vorsorgekampagnen müsse erreicht werden, dass auch in weniger informierten Bevölkerungskreisen Vorsorge stattfindet. Das Parlament fordert zudem mehr Investitionen in die Erforschung neuer Untersuchungsmethoden, einschließlich Gentests, sowie die Einführung von Geräten mit moderner Technologie. Organisierte Vorsorgeuntersuchungen seien jedoch nur anzubieten, wenn den Krebskranken qualitativ hochwertige Dienstleistungen im Bereich Diagnostik, Behandlung und Nachbehandlung zugesichert werden könnten. Die medikamentöse Behandlung solle dabei mit einer unterstützenden psychologischen Betreuung einhergehen.


