Wednesday 19. June 2013
Nr. 57 (2/2004)

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Auf dem Weg zu einer europäischen Gesellschaft

Vom 24. bis 26. September 2004 findet ein außerordentlicher europäischer Kongress statt
Die Probleme auf dem Brüsseler Gipfel im Dezember 2003 haben die Zweifel sämtlicher Europakritiker verstärkt: Offensichtlich bleiben in der öffentlichen Meinung der verschiedenen europäischen Staaten zahlreiche Befürchtungen mit Blick auf die europäische Einigung bestehen. Im Westen fürchtet man eine zu rasche Erweiterung; im Osten ist es häufig die Angst vor einer allein am Profit orientierten Konsumgesellschaft, und überall befürchtet man eine Schwächung der nationalen Identität und kritisiert die als penibel und inkompetent gleichermaßen geltenden Technokraten in Brüssel. Dies ist nichts Neues. Seit langem leidet das Projekt an mangelnder Zustimmung seitens der Menschen, Folge eines fehlenden echten europäischen Bewusstseins. Eben diese Tatsache bewegte die Verantwortlichen des Zentralkomitees der deutschen Katholiken und der Semaines Sociales de France Ende 1999, als Bischof Josef Homeyer, Präsident der COMECE, die beiden Organisationen einlud und eine Zusammenarbeit anregte. Bereits einige Monate später, im Mai 2000, unterzeichneten die beiden Präsidenten, Professor Hans-Joachim Meyer und Jean Boissonnat, ein Manifest ?Für ein europäisches Bewusstsein?. Dieses Dokument plädiert für die Anerkennung einer europäischen Identität, die in der jüdisch-christlichen Tradition und im griechisch-römischen Erbe wurzelt und vom Geist der Aufklärung inspiriert ist. Im Manifest werden die Grundwerte und Ordnungsprinzipien für die europäische Gesellschaft aufgezeigt: ?Freiheit und Subsidiarität?, Verantwortung und Solidarität?, Toleranz und Pluralismus??. Im Dokument wird bekräftigt, dass sich aus der europäischen Identität eine Verantwortung für Frieden und Gerechtigkeit in Europa und der einen Welt ergibt. Dieses Manifest war der Beginn für ein echtes Wagnis: die Gründung eines Netzwerkes europäischer Freunde für Christen aus ganz Europa, denen wichtig ist, dass im europäischen Einigungsprozess die Grundsätze einer christlichen Sozialethik Berücksichtigung finden. Dieses Netzwerk arbeitet auf der Grundlage einer informellen Arbeitsgruppe bestehend aus Vertretern der europäischen christlichen Organisationen und in Verbindung mit anderen Strukturen der verschiedenen europäischen Länder (s. Kasten). Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft Wie aber kann eine solche Initiative sichtbar gemacht werden, wie die Kraft dieser Strömung zu Tage treten? Die Hundertjahrfeier der Semaines Sociales de France dieses Jahrt in Lille böte eine solche Gelegenheit. Mit großem Aufwand hat man sich dementsprechend an die Vorbereitung des Treffens in Lille vom 24. bis 26. September 2004 unter dem Thema ?Auf dem Weg zu einer europäischen Gesellschaft? gemacht. Das Treffen wird von drei Elementen bestimmt sein: Feiern und Danksagen mit Blick auf 100 Jahre Semaines Sociales; Sich austauschen unter Christen um sich Weise besser kennen zu lernen; Aufbauen einer Hoffnung für Europa im Lichte der christlichen Sozialethik. Der Papst wurde eingeladen, und er ja hat versprochen zu kommen, wenn es sein Gesundheitszustand zulässt, was belegt, welche Bedeutung die Kirche der Förderung einer von christlichen Werten inspirierten Sozialethik und dem Engagement der Christen beim Aufbau eines vereinigten Europas beimisst. Wie Erzbischof Gérard Defois von Lille erklärte, wird das Treffen eine außergewöhnliche Gelegenheit sein, die ?Spannungen?, die sich aus unseren Unterschieden ergeben und die unsere Bemühungen nach einem harmonischen Zusammenleben in Europa bremsen, aufzuzeigen und zu überwinden.

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