Familien in den Mittelpunkt der EU-Politik rücken
Vor zehn Jahren haben die Vereinten Nationen das Internationale Jahr der Familie begangen. Der Jahrestag bietet die Gelegenheit, die Rolle der Familie in der modernen Gesellschaft und insbesondere die von den Regierungen, der Europäischen Union und anderen internationalen Institutionen zur Unterstützung des Familienlebens getroffenen politischen Maßnahmen zu überdenken. In Artikel 16 (3) der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte heißt es: ?die Familie ist die natürliche Grundeinheit der Gesellschaft und hat Anspruch auf Schutz durch Gesellschaft und Staat?. So gesehen ist es paradox, dass Familienpolitik 56 Jahre nach der Verabschiedung dieser allgemeinen Norm in zahlreichen europäischen Ländern noch immer ein umstrittenes Thema ist. Der Kern der Debatte ist die Definition des Begriffs ?Familie?. Nach der Lehre der Katholischen Kirche besteht die Familie ?aus Mann und Frau, die in der Ehe vereint sind, und ihren Kindern?. Zunehmend wird diese Definition jedoch als nur eine von mehreren möglichen Formen familiären Zusammenlebens betrachtet. Aufgrund dieses Pluralismus wurde die Gründung einer Familie von den öffentlichen Behörden als rein persönliche Entscheidung angesehen und die Familie als zu beachtender Faktor bei der Gesetzeswerdung vernachlässigt. Die EU-Institutionen haben die Familien eindeutig vernachlässigt. Viele EU-Gesetze betreffen das Familienleben, doch sprechen die EU-Vertreter aus Furcht, in eine endlose ideologische Debatte zwischen Sozialliberalen und Konservativen verwickelt zu werden, nur ungern über das Thema Familie. Zwei Initiativen haben kürzlich versucht, diese Blase der ?political correctness? zum Platzen zu bringen. Bei der ersten handelt es sich um einen im Februar von Caritas Europa veröffentlichten Bericht, der die Familien in Europa als ?Gesichter der Armut? portraitierte. Der Bericht beschreibt die ausschlaggebende Rolle, die die Familie in den Bereichen Bildung, Gesundheit, Kinder- und Altenbetreuung und im Rahmen von sozialen Problemen, etwa dem Drogenmissbrauch, in der Gesellschaft spielt. Bei der zweiten Initiative handelt es sich um einen vom COMECE-Sekretariat im März herausgegebenen Vorschlag für eine EU-Familienstrategie, in dem nachgewiesen wird, wie eine stärker familienpolitisch ausgerichtete Politik der EU bei der Erreichung ihrer Ziele des höheren Wirtschaftswachstums, der besseren sozialen Gerechtigkeit und des stärkeren sozialen Zusammenhalts behilflich sein könnte. (s. Europe Infos 57). Irische Präsidentschaft Die irische Präsidentschaft hat im Rahmen der Kampagne für einen familienfreundlicheren Ansatz ihr Gewicht in die Waagschale geworfen. Anlässlich einer Konferenz unter dem Motto ?Familien, Veränderung und Sozialpolitik in Europa? am 13. und 14. Mai in Dublin sagte die irische Ministerin für Soziales und Familie, Mary Coughlan, dass die EU darüber nachdenken müsse, ? wie Familien und das Familienleben bei der Ausübung ihrer in dieser Zeit der großen Veränderungen so wichtigen Aufgabe für die Gesellschaft besser unterstützt und gestärkt werden könnten?. Bei der Konferenz wurde eine Reihe von heiklen Themen angesprochen, darunter die sich verändernde Natur der Familien. Es wurden gemeinsame europäische Ansätze zur Förderung der Rolle der Familie ausgearbeitet. Die Konferenz von Dublin kam zu einem ähnlichen Schluss wie die Initiativen von Caritas Europa und der COMECE: unabhängig davon, welche Grundeinheit als die beste Form für die Gründung einer Familie angesehen wird - Familien aller Art tragen zum wirtschaftlichen und sozialen Wohl Europas bei und verdienen daher die Unterstützung der EU-Institutionen, der nationalen Regierungen sowie der Gesellschaft als ganzer.


