Monday 20. May 2013
Nr. 61 (6/2004)

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Gemeinsam für Europa

10.000 Mitglieder aus 175 christlichen Bewegungen und Gemeinschaften sind am 8. Mai in Stuttgart zur Veranstaltung ?Gemeinsam für Europa? zusammengekommen


Das erste europäische Treffen katholischer, evangelischer, orthodoxer, anglikanischer und unabhängiger christlicher Gemeinschaften und Bewegungen war das Ergebnis eines seit mehreren Jahren bestehenden Dialogs zwischen diesen Gruppen. Es hat die Rolle des Christentums, insb. der im zwanzigsten Jahrhundert entstandenen Charismen, neben der institutionellen Dimension für den Aufbau Europas unterstrichen. Pastor Friedrich Aschoff der Evangelischen Charismatiker berichtete von seinen Erfahrungen der Versöhnung nach den Konflikten, die den Kontinent im letzten Jahrhundert erschüttert haben. Andrea Riccardi, Begründer der Gemeinschaft Sant?Egidio, sprach von seinem ?Traum? für das kommende Jahrtausend: wie in der Vergangenheit der Krieg in Europa zu einem Weltkrieg geworden ist, so möge der Frieden in Europa zum Weltfrieden werden. Chiara Lubich, Gründerin der Fokolar-Bewegung, betonte die Herausforderung eines in Brüderlichkeit geeinten Europas, welches zur Einheit der menschlichen Familie beitragen kann. Der Präsident der Europäischen Kommission, Romano Prodi, erinnerte an die politische und spirituelle Vision der Gründungsväter der Union und forderte die heutigen Christen auf, im Augenblick der großen Vereinigung Europas ihre Bemühungen und Kreativität zu vereinen, damit der europäische Kontinent seine wahre Identität als politische Einheit mit einer ?Seele? sowie seine Berufung als Stifter von Frieden und Gerechtigkeit in der Welt erkennen möge. Der Präsident des Päpstlichen Rats für die Einheit der Christen, Kardinal Walter Kasper, unterstrich die spirituelle Dimension Europas, die sich im Stuttgarter Treffen offenbart: ?Wir brauchen ein Europa der Herzen, und man füllt die Herzen nicht mit Geld, sondern mit Werten und schließlich mit Gott.? Kasper ermutigte die verschiedenen christlichen Gemeinschaften, auch weiterhin freundschaftliche Bande untereinander zu knüpfen. Der Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, Johannes Friedrich, verkündete, die christlichen Gemeinschaften und Bewegungen hätten einen wichtigen Impuls für ein christliches Europa gegeben. Ein Europa der Brüderlichkeit Am Ende des Tages wurde eine Botschaft in mehreren Sprachen vorgelesen: Europa darf sich weder auf den Gemeinsamen Markt noch auf sicherheitspolitische Interessen beschränken. Die Wurzeln eines Europa der Brüderlichkeit finden sich in der Bibel, welche für Christen die Grundlage für die Zusammenarbeit zwischen den Menschen und den wieder versöhnten Völkern darstellt. Brüderlichkeit drückt sich u.a. durch eine gerechte Verteilung von Gütern und Ressourcen aus, durch die besondere Bedeutung der Familie und durch die Achtung des Lebens in allen Phasen seiner Entwicklung. Gemeinsam mit den 100.000 Menschen, die die Veranstaltung in 160 Städten Europas life per Satellit mitverfolgten, verpflichteten sich die Teilnehmer, gemeinsam mit allen Frauen und Männern guten Willens dafür einzutreten, dass Europa zu einem Raum der Liebe und der Brüderlichkeit wird, der für den Rest der Welt offen steht. Nachdem mehrere hundert Jugendliche das Podium ?gestürmt? hatten, um ihre Vision von Europa mitzuteilen, nahmen zum Abschluss der Veranstaltung etwa 55 Bischöfe aus verschiedenen Kirchen an einem Gebet für die Einheit der Christen teil. Die Zusammenkunft von Europäern über die Grenzen hinweg, ohne politische oder wirtschaftliche Motive, hat viele Teilnehmer bewegt. Diese Erfahrung der Einheit in der Vielfalt zeigte auf, was ein zur wahren Brüderlichkeit aufgerufene Europa der Völker bedeuten kann. Der Veranstaltung ist es gelungen, den Reflex der Angst vor der Herausforderung des ?Europa? zu entkräften und den Wunsch zu wecken, die Werte des anderen besser kennen und schätzen zu lernen.
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