Friday 24. May 2013
Nr. 62 (7/2004)

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Die andere transatlantische Partnerschaft

In Guadalajara fand am 28. und 29. Mai 2004 der dritte EU-Lateinamerika-Gipfel statt.
Am 29. und 29. Mai 2004 trafen sich Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union, Lateinamerikas und der Karibik zu ihrem dritten Gipfel in der mexikanischen Stadt Guadalajara. 1999 hatten sie sich in Rio de Janeiro (Brasilien) und 2002 in Madrid (Spanien) getroffen. Anlässlich des Madrider Gipfels hatten Bischöfe des Lateinamerikanischen Bischofsrat (CELAM) zusammen mit COMECE in El Escorial, unweit von Madrid, einen Sozialkongress veranstaltet. Von dort sandten sie ihren politischen ?Amtskollegen? eine Botschaft, in der sie die spirituelle Verbundenheit beider Kontinente unterstrichen. Dieses Mal übermittelten die Generalsekretäre beider Organisationen eine Botschaft an die Teilnehmer des Gipfels in Guadalajara. In ihr äußerten sie ihre Zufriedenheit über das Thema des Gipfels, den sozialen Zusammenhalt, und unterstrichen unter Verweis auf die Erfahrungen der Ortskirchen Lateinamerikas, der Karibik und Europas, dass ?ein sozialer Zusammenhalt nur mit gemeinsamen spirituellen Grundlagen denkbar ist und voraussetzt, dass die extreme Armut und Ungleichheit überwunden, die Arbeitslosigkeit reduziert und die Gleichberechtigung Realität wird.? Die Teilnehmer des EU-Lateinamerika-Gipfels bekräftigten ihre Bereitschaft, ?zusammen mit der Zivilgesellschaft Prozesse und Reformen hin zu einem stärkeren sozialen Zusammenhalt durchzuführen.? In ihrer Schlussbotschaft, der ?Erklärung von Guadalajara?, äußerten die Staats- und Regierungschefs ihre volle Unterstützung für ein wirksames multilaterales System der wirtschaftlichen und politischen Zusammenarbeit auf der Grundlage des Völkerrechts. Insbesondere verpflichteten sich beide Seiten auf eine möglichst weitgehende Förderung der neuen multilateralen Welthandelsrunde (Doha Development Agenda), die von der WTO zur Regulierung und Erleichterung des Welthandels gestartet wurde. Außerdem einigten sie sich darauf, bis Oktober diesen Jahres zwischen der EU und der Handelszone Mercosur, zu der die größten lateinamerikanischen Staaten gehören, ein Handelsabkommen zu unterzeichnen. Skepsis Die Staats- und Regierungschefs wiederholten auch ihre Absicht, das Millenium-Entwicklungsziel zu erreichen und bis 2015 die Armut zu halbieren. Der französische Präsident Jacques Chirac äußerte allerdings in seiner Pressekonferenz am Ende des Gipfels in Bezug auf dieses Ziel Zweifel: ?Diese Verpflichtung werden wir nie einhalten, da sollten wir uns nichts vormachen. Die derzeitige Hilfe weltweit von rund fünfzig Milliarden Dollar ist für die Verwirklichung der Millenium-Entwicklungsziele völlig unzureichend. Wir müssten die derzeitige Hilfe verdoppeln oder gar verdreifachen, aber unsere Haushalte lassen das nicht zu?. Vor dem Hintergrund dieser unerfreulichen Aussichten diskutieren die Staats- und Regierungschefs derzeit über neue Finanzierungsformen. Der Britische Finanzminister Gordon Brown, zum Beispiel, schlägt die Schaffung einer internationalen Finanzierungsfazilität vor, mit der kurzfristige Anleihen auf den internationalen Finanzmärkten über die langfristigen Hilfsverpflichtungen der reichen Länder gesichert würden. Interessanterweise erwähnt die Erklärung von Guadalajara auch die Notwendigkeit eines kulturellen Dialogs: ?Wir sind bereit, auf bi-regionaler Grundlage den kulturellen Dialog in Bereichen zu fördern, die die kulturelle Identität und die kulturelle und sprachliche Vielfalt widerspiegeln.? Man kann gespannt sein, welche Bereiche des kulturellen Lebens für einen derartigen Dialog ausgewählt werden. Der nächste Gipfel der EU-Staaten, Lateinamerikas und der Karibik wird im Mai 2006 in Österreich stattfinden. Vielleicht werden die Teilnehmer dort ihr gemeinsames religiöses Erbe anerkennen, und vielleicht werden die Kirchenverantwortlichen beider Kontinente erneut die Gelegenheit für ein Treffen nutzen, um den kulturellen Dialog der politischen Verantwortungsträger durch eine religiöse Dimension zu ergänzen.

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