Bildung als Schlüssel für den Erfolg Europas
Das Lissabonner Mantra, dem zufolge Europa ?der wettbewerbsfähigste und dynamischste, auf Wissen basierte Wirtschaftsraum der Welt ist? hängt in allererster Linie von einem europäischen Bildungssystem ab, das Weltklasse besitzt. Die Bildungspolitik ist Sache der einzelnen Mitgliedsländer und insofern hat die Europäische Union keinen unmittelbaren Einfluss auf die Ausarbeitung bildungspolitischer Maßnahmen, welche ausschlaggebend für das Erreichen ihrer Langzeitziele sind. So gesehen ist das Lissabonner Mantra viel einfacher herunterzubeten als in die Tat umzusetzen.
In Europa gibt es natürlich die unterschiedlichsten Bildungsstandards und Qualifikationen, insbesondere auf Ebene der Universitäten und des Hochschulwesens. Um diesen Problemen zumindest teilweise zu begegnen, wurde 1999 in der Erklärung von Bologna die Schaffung eines Europäischen Hochschulraums bis 2010 anvisiert. Der Bologna-Prozess, eine von der EU unabhängige Initiative, wurde in der Folge auf 40 Mitglieder ausgeweitet, wobei sich diese Zahl mit der Aufnahme Armeniens, Aserbaidschans, Georgiens, Moldawiens und der Ukraine in den Teilnehmerkreis noch vergrößern wird.
Die Erklärung von Bologna sieht sechs Aktionsbereiche vor. Diese reichen von der Vergleichbarkeit der Abschlüsse zwecks besserer internationaler Anerkennung der Qualifikationen über die Mobilität der StudentInnen, der Dozenten und der Forscher, die Zusammenarbeit in Sachen Qualitätssicherung bis hin zur Schaffung eines Leistungspunktesystems, im Rahmen dessen Punkte gesammelt und von Bildungseinrichtung zu Bildungseinrichtung übertragen werden können. Der Europäischen Kommission zufolge sollte dieser Prozess ?die Hochschulsysteme in Europa zu einem transparenteren System zusammenführen, wobei die einzelnen nationalen Systeme sich eines gemeinsamen Qualifikationsrahmens bedienen würden?, welcher auf der gegenseitigen Anerkennung der Diplom-, Bachelor- und Masterabschlüsse sowie der Doktorate basiert.
Auf diese Weise ist der Barcelona-Prozess darum bemüht, ein Rahmenwerk bereitzustellen, innerhalb dessen die Mitgliedsstaaten ihre nationalen Bildungssysteme reformieren. Diese Reformen können in Anbetracht des durch die Speerspitze der internationalen Hochschulbildung und Forschung drohenden Untergang Europas nur innerhalb einer weiteren europäischen Perspektive erfolgen.
Vorsätze die Praxis umsetzen
Bei ihrem Treffen im norwegischen Bergen am 19. und 20. Mai wollen die europäischen Bildungsminister dieser Situation durch die Verabschiedung konkreter, mit dem Bologna-Prozess übereinstimmender Pläne begegnen. So haben sie Pläne für einen Europäischen Qualifikationsrahmen verabschiedet, der sich auf die Lernergebnisse konzentriert. Dieser wiederum stellt ein allgemein verständliches Referenzwerk für die richtige Beschreibung der Lernziele auf sämtlichen Ebenen zur Verfügung. Mit Hilfe dieser Initiative wird zudem ein Leistungspunkterahmen für jede übertragbare Ebene geschaffen.
Die Minister verabschiedeten Vorschläge für europäische Hochschulstandards und nationale Qualitätssicherungsagenturen. Auf diese Weise werden Mindestkompatibilitätsebenen geschaffen, durch die die gegenseitige Anerkennung von Qualifikationen und Eignungen vereinfacht wird. Hierdurch werden die Systeme dann auch für die europäischen BürgerInnen und den europäischen Arbeitsmarkt leichter verständlich.
All diese Initiativen werden jedoch nur dann Erfolg haben, wenn sie gewissenhaft und im Einvernehmen sowie in Zusammenarbeit mit allen anderen Beteiligten auf den nationalen Regierungsebenen auch wirklich implementiert werden.


