Sechzig Jahre im Dienste des Friedens: Pax Christi
Pax Christi ist zu allererst eine Bewegung einzelner Personen, die in allen Teilen der Welt, einschließlich Asiens, Afrikas und Lateinamerikas, glaubensbasierte Friedensarbeit leisten und nicht so sehr eine Organisation. Schaut man sich die Bewegung näher an, dann sieht man, dass sie in ihrer Diversität sehr demokratisch funktioniert. Während bislang alle internationalen Präsidenten Bischöfe waren (die meisten unter ihnen Kardinäle), sind es die vielen Basisgruppen und Laien, die aktiv sind und zumeist das Sagen haben. Sie arbeiten mit ausgebildeten Personen zusammen und bemühen sich, einen Ansatz in ihrer Friedensarbeit zu entwickeln und aufrechtzuerhalten, der den Menschen helfen kann, Dinge zu bewegen.
Eines der wichtigsten Leitmotive von Pax Christi ist die Versöhnung und das Bauen von Brücken. Die Bewegung wurde nach Ende des Zweiten Weltkriegs in Frankreich als Gebetskampagne für die deutsch-französische Versöhnung gegründet. Es war der damalige Nuntius von Paris, Mgr. Roncalli, der spätere Papst Johannes XXIII, der zu dieser Initiative aufgerufen hatte. Unter der Führung von Kardinal Feltin von Paris wuchs der deutsch-französische Glaubensfeldzug zu einer internationalen Bewegung des Gebets und des Studiums, wie auch des Aufrufs nach Frieden unter allen Nationen.
Von Anfang an war sich die Bewegung deutlich der Probleme der Unterentwicklung in der südlichen Hemisphäre bewusst. In den frühen 60er Jahren trug Pax Christi in unterschiedlicher Art in mehreren europäischen Ländern dazu bei, katholische Dritte Welt-Entwicklungsorganisationen aufzubauen.
Als sich Europa in den Westen und in den Kommunistischen Block spaltete, entwickelte Pax Christi ein Netzwerk von Kontakten im Osten. Diese Gruppen sollten später zur Wiege der Zivilgesellschaft und auch der Dissidenten werden, die in den späten 80er Jahren eine wichtige Rolle bei der Wende in den mittel- und osteuropäischen Staaten spielten.
Seit den 60er Jahren ist Pax Christi aktiv an der Veranstaltung von Pilgerreisen nach Auschwitz beteiligt, die zum Ziel haben, über die entsetzlichen Verbrechen nachzudenken, die dort damals gegen die jüdischen Gemeinschaften in Europa begangen wurden und sich mit dem israelisch-palästinensischen Konflikt auseinander zu setzen. Die Bewegung unterhält seit über 30 Jahren einen Dialog mit der Russisch-Orthodoxen Kirche und ist seit kurzer Zeit darum bemüht, die Organisationsmitglieder der Region der großen Seen in Afrika, Ruanda, Burundi und DR Kongo zusammenzubringen.
Heutzutage erfolgen viele der Friedensaktivitäten von Pax Christi in einem eindeutig ökumenischen Geist. Pax Christi engagiert sich oft in Form von pluralistischen und säkularen Koalitionen für spezifische Ziele, wie die Veranstaltung von Friedenswochen und die Kampagne gegen Handfeuerwaffen. Religion ist oft ein Faktor, der bestehende Klüfte weiter vertieft und Konflikte gewalttätiger und fanatischer werden lässt. Hier sind im Glauben verankerte Menschen und Bewegungen wie die unsrige gefragt, die nach Partnern anderer Glaubenstraditionen suchen, so dass die Schaffung von Frieden unter Gläubigen stattfinden kann, seien es die religiösen Führer oder die breite Masse der gegebenen Gesellschaft.
Heutzutage wird der Ruf nach Pax Christi in vielen Ländern, die die Zerstörung durch gewalttätige Konflikte aus erster Hand miterlebt haben, immer lauter. Sie wollen der Bewegung beitreten, um Zugang zur internationalen Bühne zu erhalten und durch die Zusammenarbeit mit anderen, die unter ähnlichen Bedingungen agieren, an Stärke zu gewinnen. Sie arbeiten unter ihrem eigenen Namen als Organisationsmitglieder des internationalen Pax Christi Netzwerks. Hierdurch ist die Bewegung globaler geworden und gleichzeitig besser dafür gerüstet, mit den neuen Herausforderungen des Friedens und der gewalttätigen Konflikte von heute umzugehen.
In den vergangenen 60 Jahren hat die Bewegung ihre Kreativität, ihre Treue zum Evangelium und ihre Offenheit unter Beweis gestellt. Sie ist an einem Punkt angekommen, an dem sie mehr denn je zu einer echten weltweiten Bewegung für Frieden und Versöhnung werden kann.


