Mainmenu
Christen in der arabischen Welt: Ein Jahr nach dem „Arabischen Frühling“
Inwieweit konnte der “Arabische Frühling” die Hoffnungen der Menschen für mehr Demokratie und die Wahrung der Menschenrechte letztendlich erfüllen? Werden heute alle Gruppierungen und Gemeinschaften in den multikulturellen Gesellschaften der arabischen Staaten respektiert? Diese waren nur einige der Fragen, die während des halbtägigen Seminars am Mittwoch, den 9. Mai behandelt wurden. In Zusammenarbeit mit den politischen Gruppen EVP und ECR hatte die COMECE zu der Konferenz ins Europäische Parlament in Brüssel eingeladen. Zeugen aus verschiedensten Regionen des Nahen Ostens und Nordafrikas wie auch Vertreter von Organisationen wie Kirche in Not, Open Doors International und das Pew Forum on Religion & Public Life präsentierten den zahlreich erschienenen Seminarteilnehmern ihre jeweiligen Berichte und Analysen.
„Die Europäische Union sollte ihren Einfluss in der Zusammenarbeit und Unterstützung mit demokratischen Bewegungen auf die Wahrung der demokratischen Grundrechte, wie die Religionsfreiheit, fokussieren”, betonte der stellvertretene Vorsitzende der EPP-Fraktion, Jan Olbrycht MEP.
„Die Demokratisierung im Nahen Osten und Nordafrika bringt den Menschen in der Region bisher keine grundlegende Entspannung in ihrem Heimatland; dies ist eine überaus bittere Wahrheit ein Jahr nach dem „Arabischen Frühling“. Die EU muss, so denn sie glaubwürdig als Hüterin für die Menschenrechte in der Welt bleiben möchte, eine klare Position zur Verteidigung der Christen im Nahen Osten beziehen. Wir fordern angemessene Reaktionen auf jeden einzelnen Akt der Diskriminierung und erwarten zudem, dass dieses Problem auch in den politischen und wirtschaftlichen Verhandlungen der EU mit der arabischen Welt stets Anklang findet”, erklärte der Parlamentsabgeordnete Konrad Szymański von der ECR-Fraktion.
Dr. Joe Vella Gauci als Vertreter der COMECE sagte: „Die Ostkirchen koexistieren seit über 14 Jahrhunderte mit dem Islam in der Region - und dass trotz der Schwierigkeiten und Herausforderungen der letzten Jahrhunderte. Heute, wie auch früher, sind diese Spannungen und Herausforderungen mit politischen Problemen und dem Ost-West-Konflikt verbunden. Der sogenannte ‚Arabische Frühling‘ in der Maghreb-Region und den Mashreq-Ländern in den ersten Monaten des Jahres 2011 sollte als die - historisch gesehen - bedeutsamste Kehrtwende des 21. Jahrhunderts gesehen werden. Die Ereignisse, die in der Region beobachtet wurden, sind für die Entwicklung der Region tiefgreifend und bezeichnend. Im Kontext der Arabischen Revolution haben junge Menschen nach Freiheit, Gleichheit, das Recht auf Arbeit, Bürgerrechte und nach der Wahrung der Menschenrechte gerufen. Sie wünschen zu entdecken, wie es ist, in Würde, Freiheit und Wohlstand in seinem jeweiligen Heimatland zu leben.”
Des weiteren berichtete Dr. Joe Vella Gauci: „Die bereits genannten Ereignisse sind bisweilen (und zu meinem großen Bedauern) überschattet von barbarischen Vorfällen einiger Einzelpersonen, die sich zu verschiedenen politischen und religiösen Gruppierungen zugehörig fühlen. Als Folge wird der Weg zur Schaffung einer echten Demokratie beschwerlicher. Daher sollten die grundlegenden Ziele wie folgt sein: der Respekt aller Bürger, das Aufbrechen von Parallelstrukturen in der Gesellschaft, der gegenseitige Respekt der verschiedenen Gemeinschaften und Kulturen als auch die Schaffung eines sozio-politischen Systems, das die Menschrechte und die demokratischen Werte ausreichend schützt.”
Die Basis für dieses neue politische und soziale System sollten die universellen Werte sein, die den Respekt aller Menschen und die Wahrung ihrer legitimen Rechte bekräftigen. Zudem muss in einem sozio-religiösen Zusammenhang die konfessionelle Dimension immer berücksichtigt werden. Dies ist entscheidend für die soziale Einstellung auf der sozial-moralischen Ebene und wichtig für die Erklärung bestimmter Reaktionen, die nicht allein durch rein menschliche, sondern auch durch spirituelle Werten beeinflusst werden, „wo die weltlichen mit den religiösen Werten oft einhergehen” und somit „in der gleichen Gemeinschaft von Menschen vorherrschen.”
Während der Konferenz haben die folgenden Referenten den Teilnehmern ihre Sicht auf den „Arabischen Frühling“ und seine Folgen geschildert: Berthold Pelster (Kirche in Not), Esther Kattenberg (Open Doors International), Dr. Brian J. Grim (Pew Forum on Religion and Public Life), Dr. Cornelius Hulsman (Herausgeber des Arab-West Reports), Mgr. Pierbattista Pizzaballa (Kustos des Heiligen Landes), Dr. Dimyanos Kattar (Ehemaliger Finanzminister des Libanons), Mgr. Prof. Piotr Mazurkiewicz (COMECE) und Mgr. Youssef Soueif (Erzbischof der maronitischen Kirche in Zypern).
Zudem erfuhren die zahlreichen Zuhörer durch die Berichte der Referenten aus der arabischen Welt, wie die aktuelle Situation zur Religionsfreiheit in der Region ist. Des Weiteren wurden die Inhalte des „Lebanon Conference Reports” und weitere Berichte zum Thema Christen in der arabischen Welt vorgestellt.
Die Reden, Präsentationen und Fotos können Sie auf unserer Internetseite finden.